Rosa Fürst

Goethestraße 15

Rosa Fürst war mit ihren fünf Kindern aus Polen nach Ludwigshafen gekommen. Am 28. Oktober 1938 wurde sie ausgewiesen und zur polnischen Grenze nach Zbaszyn gebracht. Danach verliert sich ihre Spur.

Biografie

Auskünfte der überlebenden Nachkommen in Israel, 2010

 

Rosa Fürst, geborene Mager, wurde am 5. Juli 1886 geboren. Nach Ludwigshafen kam sie aus dem polnischen Cieszanow mit ihren fünf Kindern Moses (1906), Sammy (1908), Hella (1910), Martin (1912) und Regina (1914). Sie kam allein nach Ludwigshafen, ohne ihren Ehemann Leo. Dieser war möglicherweise in Polen bereits verstorben.

 

In Ludwigshafen hatte Rosa Fürst noch weitere Familienangehörige und erwartete ein Auskommen für sich und ihre Kinder zu finden. Und das ging eine ganze Weile gut. Moses, der auch Moritz genannt wurde, betrieb in Ludwigshafen einen Wäschekleinhandel in der Goethestraße. Martin konnte in Ludwigshafen seine Berufsausbildung beenden. Sie wohnten in der Maxstraße, später in der Goethestraße 15. Glücklicherweise gelang 1936 drei der fünf Kinder mit viel Anstrengung die Auswanderung nach Palästina. Sammy, Hella und Martin konnten in Palästina Familien gründen. Die Tochter Regina heiratete und ging nach Berlin. Im Januar 1943 aber wurde Regina aus Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

Rosa Fürst blieb mit ihrem Sohn Moses in Ludwigshafen. Sie gehörte zu den 166 Juden aus Ludwigshafen, die als polnische Staatsangehörige angesehen wurden. Diese 166 Menschen wurden in der Nacht des 28. Oktober 1938 aus dem Schlaf gerissen und aufgefordert, ein paar Habseligkeiten zusammenzupacken. Sie wurden in Eisenbahnwaggons verfrachtet und zur polnische Grenze gebracht. In Deutschland waren sie nicht mehr erwünscht, aber auch die polnischen Behörden wollten sie nicht. Schließlich wurden sie in Zbaszyn eingelassen.

 

Über das weitere Schicksal von Mutter und Sohn Fürst ist nichts bekannt. Rosa Fürst scheint wieder nach Cieszanow gezogen zu sein. Moses muss es im Juni 1939 noch einmal geschafft haben, die Familie Mager zu besuchen. Danach verliert sich die Spur. Die im heutigen Israel lebenden Geschwister haben nie wieder etwas von Mutter und Bruder gehört.

Der Stolperstein für Rosa Fürst wurde am 3. Mai 2010 vor dem Wohnhaus in der Gothestraße 15 verlegt.