Über Stolpersteine

 

Wer stolpern muss, wird – zumindest für einen kurzen Augenblick – aufgehalten auf seinem eiligen oder achtlosen Weg. Seit November 2007 wurden an vielen Stellen in der Innenstadt und in den Stadtteilen messingfarbene „Stolpersteine“ ins Ludwigshafener Straßenpflaster eingelassen. Doch darüber soll niemand zu Fall kommen. Die Stolpersteine sollen Passanten zum kurzen Innehalten bewegen, denn in ihre Oberfläche sind die Namen und Lebensdaten von Ludwigshafener Verfolgten des Dritten Reichs eingelassen. Die Idee und das Konzept stammen von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der inzwischen in vielen, vielen Städten in Deutschland und Europa mit öffentlichen „Verlegeaktionen“ auf das Schicksal vergessener Opfer hingewiesen hat.

Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V. ist ein Arbeitskreis aus Vertretern des Stadtarchivs, Lehrern und weiteren interessierten Personen, die diese Idee aufgegriffen haben. Bereits die Auftaktveranstaltung am 17. April 2007 im Stadtmuseum und die vielen Stolpersteine-Verlegungen in den Folgejahren haben bewiesen, dass es ein großes Interesse an den „Stolpersteinen“ gibt, und dass gerade junge Menschen motiviert werden können, sich mit den Biografien von Ludwigshafenern auseinanderzusetzen, die von den Nazis ermordet oder vertrieben wurden. Ludwigshafen setzt Stolpersteine ist ein Vorhaben, mit dem nachhaltig an diese Schicksale erinnert werden soll. Dazu gehört es auch, historische Recherchen anzustellen.

Markus Sternlieb, Georg Hüter, Pfarrer Caroli und Ernst Bloch sind Namen, die auch vielen Ludwigshafenern der Gegenwart ein Begriff sind. Einer Arbeitsgruppe im Carl-Bosch- Gymnasium ist es beispielsweise gelungen, neue Erkenntnisse über jüdische Lehrer und Schüler zu gewinnen, die während des Dritten Reichs „verschwanden“. Die erste Verlegeaktion mit Gunter Demnig in Ludwigshafen fand am 22. November 2007 statt. Die begleitende Veranstaltungsreihe begann allerdings bereits am 22. Oktober – dem Jahrestag der Deportation der Ludwigshafener Juden in das Lager Gurs 1940. Ludwigshafen setzt Stolpersteine trifft sich seither etwa einmal im Monat im Stadtarchiv, um die geplanten Veranstaltungen vorzubereiten und Schicksale zu recherchieren. Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck hat für die Verlegung der Stolpersteine die Schirmherrschaft übernommen. Interessierte Mitwirkende sind bei Ludwigshafen setzt Stolpersteine herzlich willkommen. Für die vielen bereits verlegten Stolpersteine fanden sich immer Stifter; die Biografien zu den darauf eingravierten Namen werden vorher mit der Unterstützung aller Mitstreiter aufgearbeitet. Stolpersteine werden vor allem vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer verlegt, und die Ludwigshafener Initiatoren bemühen sich, sowohl mit den heutigen Hausbesitzern als auch mit den Nachfahren der verfolgten ehemaligen Mitbürger Kontakt aufzunehmen. Der Verein Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V. freut sich über alle, die sich beteiligen möchten – mit Ideen, mit Spenden oder mit ihrer Arbeitskraft.