Dr. Fritz Kaufmann

Wredestraße 7

Dr. Fritz Kaufmann war Chefarzt am Städtischen Krankenhaus Ludwigshafen. 1935 floh er mit seiner Frau Erna zunächst in die Niederlande und später in die Schweiz. Dort verstarb er 1941.

Biografie

Recherchiert von Gerhard Kaufmann und Schülern der Pestalozzi-Hauptschule Ludwigshafen, 2008

 

Dr. Fritz Kaufmann wurde als Friedrich Raphael Kaufmann am 22. März 1875 um 20.00 Uhr in Frankenthal/Pfalz geboren. Sein Vater war Emil Kaufmann, geboren am 23. August 1848, Gastwirt und Weinhändler in Frankenthal. Seine Mutter Ida Kaufmann, geb. Durlacher, wurde am 4. Februar 1850 geboren.

 

Fritz Kaufmann besuchte von April 1881 bis August 1884 die Volksschule und wechselte im Oktober 1884 auf das Gymnasium, das er im Juli 1893 mit dem Abitur verließ. Sein Medizinstudium absolvierte er in zehn Semestern von Oktober 1893 bis zum Juli 1898. 1898 promovierte er in Heidelberg. Von 1899 bis 1901 arbeitete er im Heidelberger Krankenhaus auf mehreren Inneren Stationen, von 1901 bis 1904 in der Medizinischen Klinik bei Professor Dr. Erb in Heidelberg. Danach arbeitete er für ein Jahr in der psychiatrischen Klinik.

 

Kaufmann heiratete am 31. Mai 1908 in Mannheim Erna Wolff, die am 8. Mai 1887 geboren wurde. Ihr Sohn Hans kam am 6. Februar 1909 in Mannheim zur Welt. Am 15. August 1915 wurde Fritz Kaufmann zum Kriegsdienst eingezogen und am 26. November 1918 aus der Armee entlassen. Er hatte im Ersten Weltkrieg als Stabsarzt, zuletzt im Reservelazarett Mannheim, gedient. Er entwickelte die so genannte Kaufmann-Methode, um stark traumatisierte Soldaten wieder in das alltägliche Leben und Arbeiten zu integrieren.

 

Nach dem Ende des Weltkriegs arbeitete er wieder in Heidelberg bei Professor Dr. Erb. Hier vervollkommnete er seine Ausbildung als Facharzt für Nervenkrankheiten und Facharzt für Innere Medizin. In einem Empfehlungsschreiben für die Bewerbung um die Stelle als Chefarzt der Inneren Abteilung am Krankenhaus Ludwigshafen beschrieb ihn Prof. Dr. Erb als einen Arzt mit “einer ungewöhnlich umfangreichen und vollständigen Ausbildung“.

 

Am 15. August 1921 trat Kaufmann seinen Dienst im Städtischen Krankenhaus Ludwigshafen an. Er wurde Chefarzt der Inneren Klinik. 1932 wurden er und „drei Genossen“ von einem Dr. Vierling wegen fahrlässiger Tötung angezeigt. Der Oberstaatsanwalt in Frankenthal stellte das Verfahren am 15. Oktober 1932 als unbegründet ein.

 

Nach schweren antisemitischen Angriffen suchte Dr. Kaufmann in einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister am 23. März 1933 um seine Beurlaubung unter Wahrung all seiner Rechte nach. Zum 1. Januar 1934 wurde Kaufmann unter größtmöglicher Kürzung seines Ruhegehaltes in den endgültigen Ruhestand versetzt. Begründet wurde die Entlassung auch mit Bedenken, wegen seiner jüdischen Abstammung könnten Patienten in das katholische St. Marienkrankenhaus abwandern. Bis 1935 arbeitete er trotz massiven antisemitischen Drucks in seiner Arztpraxis.  Dr. Kaufmann hatte schon einige Jahre an Angina Pectoris gelitten. Auch durch den massiven Druck und die Hetze verschlechterte sich sein Zustand, so dass er arbeitsunfähig wurde.

 

Nach Zahlung einer beträchtlichen „Reichsfluchtsteuer“ erlaubten die Nazis Dr. Kaufmann und seiner Frau Erna die Ausreise zu ihrem in Holland lebenden Sohn Hans. Aus gesundheitlichen Gründen und auf dringendes ärztliches Anraten siedelten seine Frau und er 1937 in die Schweiz um. Bis 1939 überwiesen ihm die Nazis zumindest einen Teil seines Ruhegeldes. Nach 1939 stellten sie die Überweisungen ein. Anfang 1941 leitete das Polizeipräsidium Ludwigshafen die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft ein.

 

Am 9. September 1941 starb Dr. Fritz Kaufmann mit 66 Jahren im Exil in La Tour de Peilz in der Schweiz. Seine Frau Erna emigrierte wohl mit ihrem Sohn Hans nach Argentinien. Sie starb am 19. Juni 1958 in Buenos Aires.

Der Stolperstein für Dr. Fritz Kaufmann wurde am 26. März 2009 in der Wredestraße 7 verlegt.