Iris Rau

Zollhofstraße 11

Iris Rau wuchs in Ludwigshafen und Mailand auf. Im März 1945, wenige Tage vor dem Einmarsch der alliierten Truppen, konnte Iris sich vor Verhaftung und Deportation retten, weil ihre Pflegefamilie sie versteckte.

Biografie

Iris Rau wurde am 15. September 1926 in Mannheim geboren. Ihre Eltern waren Edith Pinkus und Alfred Theodor Rau, Kaufmann in Mannheim. Im März 1928 wurden die Eltern geschieden. Edith Pinkus war in den folgenden Jahren häufig unterwegs. Iris befand in dieser Zeit in der Obhut der in Ludwigshafen wohnenden Familie Würth.

 

Iris erinnerte sich gerne an ihre Kindheit in Ludwigshafen: Sie wurde von den Großeltern und von ihrem Onkel Lothar sehr geliebt, und die Familie Würth behandelte sie immer wie eine eigene Tochter. Ihre Großmutter Emma Pinkus spielte gerne mit ihren Freundinnen in Mannheim Bridge und sie nahm Iris oft mit. Zu diesen Gelegenheiten ließ sie von einer Mannheimer Schneiderin neue Kleider für Iris nähen. Die entsprachen aber nicht Iris’ Geschmack, sondern dem der Oma, die voller Stolz den Freundinnen die Enkelin in eleganten, maßgeschneiderten Kleidern zeigen wollte.

 

1933 fuhr Iris nach Mailand, wo ihre Mutter lebte und arbeitete. Dort lebte Iris einige Wochen bei Nonnen und befand sich später in der Obhut einer Mailänder Familie, die sie gut aufnahm und bei der sich Iris wohlfühlte.

 

Im August 1940 wurde Edith Pinkus mit ihrer neu geborenen Tochter Germana aus Italien ausgewiesen, und im Oktober wurden die beiden zusammen mit Ediths Vater Louis von Ludwigshafen nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Iris ging zu dieser Zeit noch in Italien zur Schule, kehrte aber einige Monate später nach Deutschland zurück und blieb bei der Familie Würth in Ludwigshafen. Ihr Onkel Lothar unterstützte sie wirtschaftlich und besuchte sie auch oft. Lothar Pinkus wurde am 24. April 1942 in das besetzte Polen deportiert. Iris erinnerte sich daran, dass sie den Anruf eines Bahnhofsbeamten bekam, der sie darüber informierte, dass ihr Onkel Lothar sie ab diesem Tag nicht mehr besuchen würde.

 

Als Gestapo und SS im März 1945 versuchten, die letzten in Mannheim und Ludwigshafen verbliebenen Jüdinnen und Juden zu verhaften, war es die Familie Würth, die Iris das Leben rettete. Frau Würth hatte einen Hinweis auf die bevorstehende Razzia bekommen und brachte Iris in ein Versteck auf der anderen Rheinseite.

 

Iris blieb bis zum Kriegsende bei der Familie Würth in Ludwigshafen. 1946 besuchte sie ihre Mutter in Süditalien und ihren Großvater Louis Pinkus in Frankreich. Danach ließ sie sich in Mailand nieder. Sie fand eine Stelle als Sekretärin bei der jüdischen Hilfsorganisation Joint, die sich damals bemühte, jüdischen Überlebenden die Auswanderung nach Amerika oder Israel zu ermöglichen.

 

Bei dieser Organisation lernte sie ihren Ehemann kennen: Abraham Polonsky, ein 1912 in der Mandschurei geborener jüdisch-russischer Arzt. Die beiden heirateten, und am 20. November 1953 kam ihr Sohn Boris Polonsky zur Welt.

 

Iris Rau ist am 15. Februar 2023 im Alter von 96 Jahren verstorben.

Der Stolperstein für Iris Rau wurde am 9. November 2023 vor dem Haus in der Zollhofstraße 11 verlegt.