Josephine Pister

Leistadter Straße 7

Josephine Pister gehörte der KPD an und war ab 1929 die erste weibliche Stadträtin in Ludwigshafen. Im März 1933 wurde sie in „Schutzhaft“ genommen und in den folgenden Jahren immer wieder für kurze Zeit inhaftiert.

Biografie

Recherchiert von der Freireligiösen Gemeinde Ludwigshafen, Frühjahr 2011

 

Josephine-Pauline Wagner wurde am 4. November 1895 in Ludwigshafen geboren. Sie war aktives Mitglied der KPD und von 1929 bis 1933 als erste Frau Mitglied des Ludwigshafener Stadtrates. Sie heiratete Wilhelm Pister.

 

1930 war Josephine Pister Mitglied der erweiterten Bezirksleitung der KPD. 1933 kandidierte sie für den Reichstag. Vom 3. März bis 1. April 1933 wurde sie aufgrund ihrer politischen Aktivitäten in „Schutzhaft“ genommen. In der Folge wurde sie immer wieder für kurze Zeit inhaftiert. Die Gestapo Neustadt beschrieb sie als „äußerst freche und gehässige Kommunistin“.

 

Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ war sie 1946 erneut Stadtratskandidatin der KPD für Ludwigshafen. 1960 engagierte sie sich als Mitglied der verbotenen Wählergruppe „Vollmer“, die als Nachfolgeorganisation der KPD agierte. 1969 schließlich wurde sie Mitglied der DKP.

 

Ihr politisches Engagement zeigte sich unter anderem darin, dass sie sich als Stadträtin in einer öffentlichen Sitzung im Jahr 1931 nachdrücklich dagegen wehrte, dass die Anträge der KPD, mit denen gegen die Notverordnung des Reichspräsidenten Protest eingelegt werden sollte, nicht zur Beratung angenommen wurden. Ihr Verhalten wurde als „unweibliches Verhalten“ eingestuft und sie wurde des Saales verwiesen.

 

Aus Josephine Pisters Tagebuch geht hervor, dass sie sich bis ins hohe Alter kritisch mit der aktuellen Tagespolitik auseinandersetzte, aber ebenso zeigt sich aus ihren Aufzeichnungen ihr Interesse an den täglichen Dingen des Lebens. Ihre Briefverbindungen reichten bis nach Amerika.

 

Ihr Mann Wilhelm Pister war ebenfalls Mitglied der KPD. Dessen Bruder Georg Pister wurde aufgrund seiner politischen Einstellung, nachdem er von seiner Frau Elisabeth an die Gestapo ausgeliefert wurde, 1944 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet.

 

Josephine Pister starb am 1. Januar 1981 in Ludwigshafen.

Der Stolperstein für Josephine Pister wurde am 2. April 2011 vor dem Wohnhaus in der Leistadter Straße 7 in Ludwigshafen-Gartenstadt verlegt.

An der Verlegung beteiligten sich Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Technik 1 in Ludwigshafen.