Dokumentarfilm „Koffer gepackt und überlebt“

von Kristina Förtsch und Christian Schega

Premiere am 26. Januar 2014, 17.00 Uhr
im Vortragssaal der Volkshochschule Ludwigshafen

Der Titel ist Programm. Der Dokumentarfilm „Koffer gepackt und überlebt“ erzählt von Ursula Michel, die mit einem der letzten Kindertransporte 1939 nach England ausreisen konnte.

Die Verfolgung von Ursula Michel und ihrer Familie beginnt in Ludwigshafen am Rhein. Ihre Rettung ist ein Kindertransport, der sie zur Liverpool Station in London in Sicherheit bringt: sie überlebt, ihre Eltern Heinrich und Gertrud und ihre kleine Schwester Lilli, werden in Lagern der Nazis ermordet. Der Film von Christian Schega und Kristina Förtsch entstand nach einer Idee des Arbeitskreises Ludwigshafen setzt Stolpersteine. Er erzählt die Geschichte der Ursula Michel, die durch den Kontakt zu Pfarrer Hermann Maas, der von Heidelberg aus einen Kindertransport nach England organisierte, gerettet werden konnte.
Ursula verlebt in der Pfalzgrafenstraße in Ludwigshafen eine weitgehend glückliche Kindheit. Nach der Reichspogromnacht 1938 wird alles anders. Ursula wird vom Schulbesuch am Mädchengymnasium, dem heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasium, ausgeschlossen. Ihr Vater Heinrich Michel wird, wie viele andere Ludwigshafener Juden, von November bis Dezember 1938 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Im Mai 1939 flieht die Familie nach Mannheim, wo sie in den H-Quadraten bis zur Deportation nach Polen am 24. April 1942 lebt.  Ursula  überlebt, weil sie Deutschland bereits am 25. August 1939 mit einem der letzten Kindertransporte nach England verlassen konnte.

Mit Parlamentsentscheid vom 22. November 1938 erlaubte die britische Regierung die Einreise von ca. 10.000 jüdischen und sog. nicht-arischen Kindern, sofern für deren finanzielle Unterstützung gesorgt war. Jedem Kind waren zur Mitnahme ein Koffer, ein Handgepäckstück und 10 Reichsmark erlaubt. Am 26. August 1939 erreicht Ursula Michel den Zielbahnhof Liverpool Street Station in London und wird von der Familie Hawthorn in Nord-Staffordshire aufgenommen. Dort lebt sie bis zu ihrer Hochzeit mit Harold Rhodes am 27. Juli 1946. Am 16. Januar 1953 wird ihre Tochter Judith geboren.

Dies sind auch die einzelnen Stationen, die der Dokumentarfilm an Hand von Bildern aufgreift, in Interviews analysiert und mit Kommentaren erläutert. „Koffer gepackt und überlebt“ erzählt von Ursula und ihrer christlich-jüdischen Familie, von ihren Ängsten, von der Flucht, dem Überleben und dem Leben danach ohne Familie in England.

Die Uraufführung des Films hat der Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine für den Vortag zum Auschwitz-Gedenktag terminiert, der in diesem Jahr die Verfolgung von Kindern und Jugendlichen im Nationalsozialismus in den Mittelpunkt stellt.

Die Schirmherrschaft für diesen Film hat der britische Botschafter Simon McDonald übernommen. Zur Premiere am Sonntag, 26. Januar 2014, 17.00 Uhr im Vortragssaal der Volkshochschule Ludwigshafen im Bürgerhof spricht die britische Generalkonsulin Susan Speller. Auch Judith Rhodes, Tochter von Ursula Michel, wird zur Premiere nach Ludwigshafen kommen.

 

 

URSULA MICHEL: ALS JUGENDLICHE IM KINDERTRANSPORT.

KOFFER GEPACKT UND ÜBERLEBT
VON LUDWIGSHAFEN AM RHEIN NACH LIVERPOOL STREET STATION, LONDON.
DIE GESCHICHTE DER URSULA MICHEL.

Freitag, den 26. April 2013, 19.00 Uhr
Volkshochschule Ludwigshafen, Im Bürgerhof, Vortragssaal 2. OG

Mit Judith Rhodes (Tochter von Ursula Michel), Monika Kleinschnitger und Marita Hoffmann

„Herzliche Grüße und Küsse von deinem Vater.
Sei hübsch ordentlich und fromm bis nach Haus du wieder kommst.”

So rührend schreibt Heinrich Michel an seine Tochter Ursula. Er wird mit seiner Frau Gertrud und der jüngeren Tochter Lilli 1942 deportiert, Ursula lebt bereits seit 1939 in England. Ein Wiedersehen gibt es nicht. Briefe erinnern an die Verzweiflung und die Hoffnung. Die Verfolgung von Ursula Michel und ihrer Familie beginnt in Ludwigshafen am Rhein, ihre Rettung ist ein Kindertransport, der in Liverpool Street Station in London endet: Sie überlebt, ihre Familie wird ermordet. Ursula Michel und das Schicksal ihrer Familie stehen so stellvertretend für die Biographien vieler Opfer der NS-Zeit. Für Gertrud, Heinrich, Ursula und Lilli Michel sind vier Stolpersteine vor ihrem Wohnhaus in der Pfalzgrafenstraße 67 verlegt worden.
Die Tochter von Ursula Michel, Judith Rhodes, hat den kleinen Koffer ihrer Mutter dabei, mit dem sie am 25. August 1939 nach London flüchtete - gepackt voller Erinnerungen, die auf das Leben in Ludwigshafen und in der Region hinweisen. Sie erzählt vom Leben ihrer Mutter in England und wie sie selbst mit den Erfahrungen und Erlebnissen der Mutter aufwuchs.

Der „Arbeitskreis Ludwigshafen setzt Stolpersteine“ hat ein biographisches Quellenbündel zur Geschichte der Kindertransporte nach England 1938/39 herausgegeben. Erarbeitet wurden die Unterrichtsmaterialien aus dem Nachlass von Ursula Michel; Bilder, Briefe und Dokumente hat ihre Tochter Judith Rhodes dem Arbeitskreis zur Verfügung gestellt. Das Schicksal der Familie Michel, insbesondere der Weg der älteren Tochter Ursula Michel, ermöglicht einen sehr direkten Zugang zu den chronologischen Abläufen der Zeit des Nationalsozialismus, der sich leicht mit den Darstellungen in den Geschichtsbüchern der Sekundarstufen I und II verknüpfen lässt.

Das biographische Informationsmaterial mit zwölf Tafeln zu einer Ludwigshafener Familie in der Zeit des Nationalsozialismus ist vielfältig einsetzbar – schulisch und außerschulisch. Ein ausführlicher Begleittext  informiert über die Inhalte zu den vier Kapiteln.

Die Unterrichtsmappen sind kostenfrei im Ludwigshafener Stadtmuseum und im Stadtarchiv erhältlich und können auch am Vortragsabend mitgenommen werden.

Koffer gepackt und überlebt!

23. Februar 2013, Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen: Von Ludwigshafen am Rhein nach Liverpool Street Station, London - Die Geschichte der Ursula Michel

Präsentation des Unterrichtsmaterials zur Geschichte der Kindertransporte nach England 1938/39.

Mehr als 80 Gäste waren zur Präsentation der Unterrichtsmappen gekommen, die Flucht und Überleben der Ludwigshafenerin Ursula Michel zum Thema haben, und zu deren Erstellung Ursula Michels Tochter Judith Rhodes mit einer großzügigen Spende und durch Fotos und Dokumente aus ihrem Besitz die Grundlage gelegt hatte. Nach der Begrüßung durch Dr. Frank Degler vom Ernst-Bloch-Zentrum sprach Dr. Stefan Mörz, Leiter des Stadtarchivs Ludwigshafen, über das Thema "Mitbürger wie jeder andere? Juden in Ludwigshafen". Im Gespräch mit Christina Dieterle erklärte Monika Kleinschnitger, Autorin der Materialien, das Zustandekommen und das Konzept der druckfrischen Mappe. Judith Rhodes, die aus Leeds gekommen war, wurde von Dr. Mörz zu den Motiven ihres Engagements befragt. Mitgebracht hatte sie den kleinen Koffer, mit dem ihre Mutter Ursula Michel 1939 als Jugendliche in einem der letzten Kindertransporte nach England entkommen war, darin weitere Dokumente, die Ursula Michel bis zu ihrem Tod sorgfältig gehütet hatte und die nun der pädagogischen Arbeit zur Verfügung stehen.

Das von Marita Hoffmann gestaltete und im Llux-Verlag publizierte Lehrmaterial unter dem Titel „Koffer gepackt und überlebt - Von Ludwigshafen nach Liverpool Street Station“ zum Schicksal von Ursula Michel kann kostenfrei beim Arbeitskreis "Ludwigshafen setzt Stolpersteine" resp. der Initiative lokale Agenda 21 Ludwigshafen angefordert werden.